Vor etwas mehr als einer Woche habe ich erstmals die spezielle Beziehung zwischen mir und meiner Prep&Cook öffentlich gemacht. Ein paar Tage später ist der Hype anscheinend vorbei. Die Likezahlen und Kommentare sind drastisch gefallen. Ich befinde mich auf dem Weg zurück in die Nichtrelevanz. Die Preppi ist inzwischen so drapiert, dass sie das Erste ist, was ich beim Verlassen des Schlafzimmers sehe. Wenigstens lächelt mich dann gleich am Morgen etwas an. Wie immer bestreite ich nämlich die erste Tageshälfte allein in der Wohnung. Dabei spüre ich eine aufkommende Schreibblockade. Diese begründet sich nicht darauf, dass ich mit den letzten Texten anscheinend weniger Leser angesprochen habe! Es hat sich Besuch angekündigt, hoher Besuch! Die Schwiegereltern kommen…

Sechs Monate ist es nun her, dass wir aus Hamburg nach Nürnberg gezogen sind. Meine Freundin hatte eine neue Stelle angeboten bekommen. Da ich außer einem Laptop und Internetanschluß nicht viel für meinen Beruf benötige, kann ich quasi überall arbeiten. Wie es sich für richtige Schwiegereltern gehört, erwarten sie natürlich eine picobello aufgeräumte Wohnung, ne Portion Entertainment, extrovertierte Liebesbekundungen und ein reichliches Angebot von kulinarischen Ergüssen. Dank meiner neues Begleiterin in der Küche, eigentlich kein Problem. Die Definition von guter Küche unterscheidet sich allerdings drastisch.

Um die Beziehung von Blancas Eltern und mir besser zu beschreiben, ist ein kleiner Rückblick von Nöten: Wir sind seit etwa drei Jahren zusammen und circa ein halbes Jahr später lernte ich ihre Eltern kennen. Zur Erinnerung, meine Freundin ist Spanierin. Ausgestattet mit jeder Menge Klischees ging es zum Antrittsbesuch. Ich träumte von Tapas, Flamenco im Radio und einer Paella.

Aufgeregt betrete ich zum ersten Mal das Elternhaus in der Nähe von Kiel. Vor mir stehen zwei kleine Spanier kurz vor der Rente. Blancas Eltern sind klein, ja fast schon winzig. In Ihren Gesichtern lässt sich eindeutig ein Schockzustand ablesen. Sie sind von Ihrer Tochter anscheinend eine Menge Kummer gewohnt, haben einige Übung, bleiben aber schlechte Schauspieler! Die Mutter begrüßt mich schnell aber höflich. Auf dem Rückweg in Ihre Küche meine ich gesehen zu haben, dass sie sich bekreuzigt. Der Vater mustert mich und versucht mir die Hand zu zerquetschen. Dies gelingt ihm Mangels Hebelwirkung jedoch nicht. Sein Gesichtsausdruck fragt mich: “Bist Du nun der neue Freund oder Zuhälter?“

Da stehe ich nun, 20cm größer als jeder andere im Raum. Um mich herum wird spanisch gesprochen. Ich verstehe natürlich kein einziges Wort. Mein langer Vollbart, die breiten Schultern, die rötlichen, langen Haare, der Bauch und das laute Organ scheinen für Verwirrung zu sorgen. Bei der Kleiderwahl hatte ich mich im Vorfeld gegen die üblichen Harley-Davidson-Shirts mit Totenköpfen darauf entschieden. Sämtlichen Edelstahlschmuck trage ich heute auch nicht. Ich fühle mich sichtlich unwohl und das farbenfrohe Poloshirt erledigt den Rest. Die Mutter blickt immer wieder über die Schulter, ihr wäre ein Don Juan oder zumindest ein Carlos deutlich lieber gewesen.

Alles in diesem Haus ist klein, angepasst an Carmen und Paco. Nach diversen Umbaumaßnahmen und Anbauten sind überall kleine Stufen. Ich werde kurzerhand ins Wohnzimmer mit Essecke geführt. Alleingelassen mustere ich den Raum. Überall stehen kleine Setzteller, unfassbar viele Fotos, vor der Couch steht ein Fliesentisch. Nichts weist hier wirklich auf spanische Bewohner hin.

Als das Essen kommt, bricht eine Welt für mich zusammen. Braten, Kartoffeln, Soße und Rotkohl! Nix mit „Livin La Vida Loca“. Das hätte ich auch zuhause haben können. Es schmeckt, ich beschließe jedoch den baldigen Besuch einer Tapas-Bar.

Trotz der fast vierzig Jahre in Deutschland, ist der Akzent mehr als präsent. Paco wechselt bei seinen Erzählungen hektisch zwischen Deutsch und Spanisch. Die englischen Wörter der Neuzeit wirken wie Fremdkörper. Dabei gestikuliert der kleine Mann wild um sich und lacht immer wieder herzhaft. Jede Anekdote wird bis zu vier mal hintereinander erzählt. Sein Kopf verfärbt sich ins Hochrote. Ich verstehe derweil nur Bahnhof, lache aber mit. In einem kurzen Moment der Stille blicke ich zu Blanca, auch sie zuckt nur mit den Schultern und schüttelt den Kopf. Carmen hat schon längst ihr Hörgerät auf ein Minimum an Lautstärke reduziert.

Als ehemaliger Handwerker werde ich abschließend stundenlang vom Vater durchs Haus und über das Grundstück geführt. Dabei stellt er mir jede Schraube eines jeden Umbaus persönlich vor. Unfassbar interessant das alles.

Zurück in der Gegenwart möchte ich nun mit meinen Kochkünsten glänzen. Nicht zu hochgestochen. Für den zweiten Abend steht sowieso schon Schäufele und Hax’n in einem Restaurant auf dem Plan. Ich plane zum Empfang nach der Reise zwei Ciabatta-Brote (Bild, Rezept poste ich, wenn ihr wollt) zu backen und Spargelcreme-Suppe. „Das ist doch für meinen Vater kein vernünftiges Abendessen!“, schallt des mir von Blanca entgegen. “Als Vorsuppe vielleicht…“

Meine abschließenden Fragen:
1.) Was würdet Ihr als Hauptgang machen?
2.) Ich befürchte wieder Schlimmes. Kann mich bitte jemand direkt erschießen?