Beschweren muss ich mich! Mein Unmut geht dabei ausnahmsweise in Richtung der Damenwelt. Eines ist mir in den letzten Tagen massiv aufgefallen: Die spontanen Heiratsanträge in den Kommentaren in der Preppi-Gruppe haben deutlich nachgelassen.

Ein Zustand, den ich an zwei Punkten festmache. Einerseits haben wahrscheinlich viele Leserinnen berechtigterweise Angst vor der messermordenden Latina an meiner Seite. Andererseits ist mir ein elementarer Fehler unterlaufen. Ich habe ansatzweise meine Optik beschrieben. Gerne würde ich Allen weismachen, dass hier am Laptop ein unbeschreiblicher Traumtyp sitzt.

„Unvermittelbar!“, ruft Blanca von der Couch herüber. Ich muss den Text wohl mitgesprochen haben. „Und die kennen bisher nur die äußeren Mängel! Kläre die Preppi-Mädels mal lieber über deinen Dachschaden auf. Traumtyp? Eher Montagsmodell von der Resterampe!!“, führt sie weiter aus.

Irgendwie hat sie auch recht. Bis vor unserem Umzug waren wir zusammen ziemlich oft auf der Reeperbahn unterwegs. Nach ein paar Besuchen wurde ich von den Türstehern vor Ort eindeutig als Kollege einkategorisiert. Auf einmal grüßte man mich mehrfach bei meinem Weg über die „Große Freiheit“. Keiner der Potenzdealer vor den einschlägigen Lokalen kannte unser wirkliches Ziel. Hinter der Hausnummer 38-40 verbirgt sich die „Thai Oase“. Wer dabei an Massagen mit Happy End denkt, den muss ich enttäuschen! Es ist eine Karaoke-Bar…

„Na, erzählt Vaddi wieder vom Krieg?“, schaut mich Blanca vom Sofa aus fragend an. Das ist genau das Problem. Es ist Mittwoch, 11 Uhr und sie ist zuhause! Die Frau an meiner Seite hat nämlich einen ganz tollen Arbeitgeber.

„Morgen gehe ich erst zum Arzt und danach mache ich Home-Office.“, hatte sie mich am Vortag aufgeklärt. Home-Office ein Begriff wie Donnerhall. Wem es in den letzten Berichten aus meinem Leben noch nicht aufgefallen ist, ich bin der Part mit dem Hauptteil der häuslichen Pflichten. Natürlich freue ich mich über Zeit zu zweit. Allerdings doch nicht, wenn beide an unterschiedlichen Fronten der Arbeitswelt kämpfen. Home-Office ist für mich gleichzusetzen mit einer schweren Krankheit des Partners. Es bringt einfach meinen ganzen Tagesablauf durcheinander.

Blanca arbeitet nicht abseits am Schreibtisch in unserem Büro. Sie findet es passender Ihre Tätigkeit im Epizentrum unserer Wohnung zu verrichten. Neben dem Tippen und Telefonieren, werden viele meiner Schritte beobachtet, hinterfragt und kommentiert. Egal wie sehr ich Hausfrau bin, ich kann keine zwei Sachen gleichzeitig machen. Ich bin das lebende Beispiel, dass Kerle zu Multitasking nicht fähig sind. Eindrucksvoll zeigt sie mir damit den ganzen Tag zu welchen Ausnahmeleistungen sie fähig ist. Meine krude Hirnrinde macht das nicht mit.

Vielleicht liegt es an auch Blancas Anwesenheit, dass die Preppi und ich an diesem Tag keine Einheit bilden. Bereits am Vorabend begann unser schwieriges  Arbeitsverhältnis. Mein Ziel war es ein schmackhaftes Buttermilch-Schwarzbrot zu backen. Natürlich unter maximalem Einsatz des Arbeitstiers von Krups. Schon beim ersten Arbeitsschritt gehen unsere Vorstellungen beim Ergebnis weit auseinander. Schroten kann die Prep&Cook ja, aber geil ist anders. Erstmal ist es so laut, dass wir mit unseren Katzen endgültig zum Tierpsychologen müssen. Trotzdem ziehe ich Impuls und Turbo über mehrere Minuten konsequent durch. An Ende sind zwar eine Menge Körner gebrochen, der Geduldsfaden der Mitbewohnerinnen (inklusive Blancas) aber gerissen. Vom Ergebnis ernüchtert gebe ich den Liter Buttermilch dazu und lasse alles bis zum nächsten Tag quellen.

Schon bei der Endbearbeitung des Teigs fällt mir die, nennen wir es mal, rustikale Konsistenz auf. Eine Zugabe von Kernen oder Körnern zu Dekorationszwecken ist hinfällig. Nach zweieinhalb Stunden verlässt der Koloss Ofen und Römertopf. Die innere Dichte und das damit verbundene Gewicht lässt vermuten, dass ich eine neue Rezeptur für Granit aus dem Rohr entwickelt habe.

Auch der zweite Backvorgang ist nicht durchgehend von Erfolg gekrönt. Die Rüblitorte aus dem Buch ist für mich unerfahrenen Kuchenbäcker eine wirkliche Herausforderung. Nebenbei erreichen mich immer wieder schlaue Tipps aus Richtung der Relaxlandschaft. (Warum ich die Torte gebacken habe, erfährt der/die interessierte Leser/in dann demnächst exklusiv auf meinem Blog).

Am Abend haben sich die Wogen geglättet. Blanca moniert das Nichtvorhandensein einer Kantine. Mittagessen ist aufgrund der Umstände ausgefallen. Aber wir haben ja zum Glück frisches Schwarzbrot im Haus.

Durch das Abkühlen ähneln Gewicht, Form und äußere Beschaffenheit nun an ein Wurfgeschoss. Der Anschnitt des Bröckchens gestaltet sich schwierig. Anscheinend ist unser Brotmesser nicht fähig die Panzerung zu durchbrechen. Derweil erreicht mich der gefühlt 1.000ste gut gemeinte Ratschlag des Tages. „Nimm doch ´nen Fuchsschwanz!“ Ich bevorzuge jedoch die kombinierte Lösung aus Stechbeitel und Hammer. Irgendwie gelingt es mit dann doch vier Ranken vom Grundkörper zu trennen. Die Verköstigung, ein Wechselbad. Einerseits schmeckt es gar nicht so schlecht. Allerdings fühlt es sich beim Kauen stark nach Ytong-Stein an. Eines kann man festhalten: Es macht unfassbar satt! Ich spüre direkt den aufkommenden Muskelkater im Kiefer.

Bei der Zensur des Textes muss ich mir eingestehen, dass ich es wieder nicht geschafft habe mich als den Übermann darzustellen. Aber eine abschließende Frage in die Runde sei gestattet: Nervt es Euch auch so unfassbar, wenn der Partner außerplanmäßig das Tagesgeschehen bereichert?