(Mein Urlaub – Teil 2 von 3)

Ach es ist Urlaubszeit, Zeit für Ruhe und Entspannung. Eigentlich will ich ja seit Wochen meine Geschichten auch vertonen um sie Euch als Ohrenschmaus zur Verfügung zu stellen. Der Urlaub wäre perfekt gewesen, endlich habe ich Zeit dafür. Dieses Unterfangen gestaltet sich aber schwieriger als ich dachte. Denn es ist so: Ich lebe derzeit noch auf einer Baustelle. Den ganzen Tag hämmert, bohrt, planiert oder lärmt hier irgendjemand rum. Unser Neubau war bei unserem Einzug eher noch ein Rohbau. Der Komplex besteht aus ca. 130 Wohnungen und erstreckt sich auf vier Stockwerken, ca. 200m entlang einer Bahnstrecke. Ja, richtig gelesen, an einer Bahnstrecke! Somit sind die zwei Räume, die abgewandt von den Baulärmquellen liegen, für Aufnahmen auch eher ungeeignet. Vor Allem hallt es in unserem Badezimmer sehr und ich möchte den Zuhörern die Vorstellung ersparen, dass ich das Audiomaterial sitzend auf dem Schemel produziere. 

Wer jetzt denkt: Warum zieht man dort hin? Den möchte ich kurz aufklären: Unser Weggang aus Hamburg kam sehr spontan. Binnen drei Monaten mussten Blanca und ich alles organisieren. Natürlich konnten wir aufgrund der Entfernung nicht jede Wohnung vorab besichtigen. Vermieter möchten Ihre Mieter jedoch meist kennenlernen, so fielen die privaten Angebote schon mal komplett weg. Circa sechs Wochen vor dem Umzug haben wir uns darauf geeinigt, einfach die Wohnung zu nehmen, die uns zugesagt wurde. Ohne Besichtigung und ohne Ortskenntnisse. Wobei wir von den Bahnschienen durch Google Maps natürlich wussten. 

Da ich ja wie bereits mehrfach erwähnt von zuhause aus arbeite, kriege ich über den Tag das volle Klangerlebnis ab. Bereits nach vier Wochen waren meine Nerven stark strapaziert. Zumal wir hier nur absolutes Fachpersonal rumlaufen haben. Da stehe ich im Januar auf dem Balkon, beobachte das Treiben und sage etwas lauter zu mir selbst: „Das ist hier ne Baustelle für Vollidioten!“ 

„Deswegen sind die Norweger auch nicht in der EU, weil die am Leben vorbeilaufen!“, schallt es plötzlich mir vom Parkplatz entgegen. Der Garten- und Landschaftsbauer scheint diesen Youtube-Klassiker eines Kranfahrers zu kennen. Seit diesem Tag hält er mich über die Neuigkeiten am Bau auf dem Laufenden.

Das Youtube-Video:

Aber dieser Lärm ist nichts gegen meine Nachbarn. Man könnte ja meinen, dass jeder der hier wohnt am Wochenende Sehnsucht nach Ruhe hat. Aber weit gefehlt! Hier werden mitten in der Nacht Möbel aufgebaut, Musik läuft quasi durchgängig irgendwo und jeder der 130 Parteien scheint derzeit am Wochenende eine Einzugsparty zu schmeißen. 

Mein direkter Nachbar ist dabei der Schmerzbefreiteste unter den Wahnsinnigen. Anfangs war es nur Laute Hip-Hop Mugge über Stunden. Inzwischen hat der Technikfuchs es aber anscheinend geschafft, sein Smartphone mit dem Soundsystem zu verbinden. Nicht um Musik zu hören! Sondern damit der Wecker auch so laut ist, dass seine schlaffen Synapsen es auch vollbringen, überhaupt zu realisieren, dass er aufstehen muss. 

Im vierten OG gegenüber wohnt ein Pärchen, dass anscheinend etwas Diskussionsbedarf in Ihrer Beziehung hat. Er hängt den ganzen Tag aus dem Fenster und raucht. Was er sonst macht, erschließt sich mir nicht. Seine Partnerin habe ich indes noch nie zu Gesicht bekommen. Aber Ihre Stimme habe ich dafür bis zu meinem Lebensende eingespeichert. Sie schreit ungefähr 25 Stunden am Tag. Stoisch wie eine Diesel-Lok verrichtet er dabei sein Tagwerk. „Dann geh doch rüber zu derer Schlampen“, dröhnt es im fränkischen Akzent immer wieder durch den Innenhof. Währenddessen wird die Pflasterung vom Gärtner in Form gerüttelt. Wir haben uns darauf geeinigt, sollte irgendwann einer der Beiden nach einem Spaten fragen, stellen wir keine Fragen. Wir freuen uns einfach, dass die Blumen an einer Stelle besonders gut wachsen.

Gerne hätte ich an dieser Stelle für Euch weitergeschrieben, aber ich muss abbrechen! Gerade wollte ich einen Kaffee auf dem Balkon trinken. Aus der Wohnung über mir dröhnt irgendein moderner Mist, ein Maler schleift die Wand gegenüber, dem Baustellenradio entspringt „Griechischer Wein“, Radlader brummen im Hintergrund und alles wird untermalt von Bohrarbeiten. Ich setze mir gleich die Kopfhörer auf und stelle mich an meine Preppi. Die aufkommenden Gewaltphantasien abarbeiten. Bevor ich Amok laufe, mache ich den Hund lieber kalt. Das Rezept dazu gibt’s dann morgen hier auf meinem Blog.