(Mein Urlaub – Teil 3 von 3)

Es gibt da ein berühmtes Gleichnis, dass auch auf mich zutrifft: Ich bin ein weißer, heterosexueller,  Mann ohne Behinderung oder Migrationshintergrund. Ich habe mit Diskriminierung soviel am Hut, wie Rainer Callmund mit dem Wort Idealgewicht. Könnte man zumindest meinen. 

Ihr kennt es von mir: ich muss erstmal etwas weiter ausholen. Blanca und ich haben uns ein Projekt für den Urlaub aufgehalst. Mein Büro muss endlich final eingerichtet werden. Bei unserem Einzug haben wir diesen Raum einfach mit den übrig gebliebenen Möbeln vollgestopft. Durch meinen Hang zum kreativen Chaos ist so seit Jahresbeginn eine „No-Go-Area“ in den eigenen vier Wänden entstanden. Die Lösung: Regale und Sortierboxen vom schwedischen Möbelgiganten.

Die Hölle muss blau-gelb sein

Der Besuch von Ikea stellt unsere Beziehung jedesmal auf eine harte Probe. Denn ich hasse die anderen Menschen in der gelb-blauen Hölle und liebe es Nippes zu shoppen. Blanca hingegen ist grundsätzlich gegen alles was mit Shopping zu tun hat. Sie bestellt online und fertig! Nachdem wir uns drei Stunden im Nirvana des Sperrholz-Krämers verloren haben, müssen wir feststellen, dass nichts unseren Bedürfnissen entspricht. Um die Situation jedoch nicht eskalieren zu lassen, packen wir einfach das in unseren Wagen, was zumindest in den Raum passt.

Beim Einkauf des täglichen Bedarfs trifft man meist auf Leute die es eilig haben. Bei Ikea an der Kasse scheinen die Kunden jedoch jegliche kognitiven Fähigkeiten zu verlieren. Die pure Menge an Teelichtern muss so überwältigend sein, dass eine zügige Abwicklung des Bezahlvorgangs unmöglich ist. Dabei rücken die Mitwartenden so dicht auf, dass es an sexuelle Belästigung grenzt. Wer glaubt eigentlich, dass es irgendwas bewirkt anderen Menschen derart auf die Pelle zu rücken?

Als ich fortwährend einen Atemzug in meinem Nacken spüre bricht es aus mit heraus. „Wenn Sie mir noch näher kommen, dann müssen sie mich heiraten!“, wende ich mich genervt zur Verfolgerin. Geschockt und angewidert von der Vorstellung erreicht meine Aussage das gewünschte Ergebnis. Ich habe endlich etwas Freiraum: Mein Tanzbereich – Dein Tanzbereich.

Kurz zum anschließenden Vatertag: Ich schütte mir nicht Hektoliter eines öbergärigen Gebräus in die Visage, ich baue Schränke. Dabei ist es erstaunlich, wie unterschiedlich die Vorstellung von Ordnung sein kann. Blanca möchte alle Boxen beschriften und sie einem eigenen Zweck zuführen. Ich bin eher der Befürworter des „Haufen-Prinzips“ der Ludolfs. Wir einigen uns auf Blancas Methode.

Gekommen um zu klauen

Für die Diskriminierung muss ich abermals verschiedene Shoppingerlebnisse heranziehen. Da wir Aufgrund einer Beerdigung einen kleinen Abstecher ins Sauerland machen mussten, stand ein Kurzbesuch des Wesco-Outlets auf dem Plan. Angekommen in der „Villa Blech“, ergriff die innere Tine Wittler von mir Besitz. Diese Farben – Diese Formen.

Getrübt wurde das Ganze nur von der herangeeilten Aufpasserin. Denn wer sich als Mann so gut zwischen Mülleimern, Brotboxen und Küchenutensilien amüsiert, der führt sicherlich was im Schilde. Wie zufällig staubte die Dame immer in meiner Nähe die Auslage ab. 

Aber unser eigentliches Ziel war ja Berlin. Da sind die Menschen sicherlich toleranter. Bei der Anreise in die Hauptstadt, mussten wir natürlich einen Abstecher zum Designer Outlet machen. Immerhin war der Dampfgaraufsatz der Prep&Cook im Angebot. Schon auf dem Parkplatz realisierten wir, dass es wahrscheinlich nicht die weiseste Entscheidung war bei samstäglichen Temperaturen um die 30*C diesen Aufsatz zu besorgen.

Wer um alles in der Welt hat eigentlich diesen Trend gesetzt?

Mobiltelefone werden in diesem Jahr anscheinend in einem Brustbeutel transportiert. Mein Gott sieht das Panne aus! Mir kommt es so vor, als ob die Menschen um mich rum alle der „CSI Smartphone“ angehören. Das prominente Tragen des technischen Helferleins scheint derbe Trend zu sein. Man muss auch nicht alles mitmachen. Aber ich bin in meinen schwarzen Bikeroutfits sicherlich auch nicht der Fashion-Trendsetter. Gerade in der Zeit in Berlin fällt mir aber auf: So wie manche Menschen auf der Straße rumlaufen, so würde ich Nachts in meiner Bude nicht aufs Klo gehen. Wie slim darf eine rosa Jeans bei einem Mann sein, bevor es peinlich wird? Sei es drum, jeder so wie es ihm oder ihr gefällt.

Bin ich krank?

Der „Home & Cook“ Bereich im Outlet ist schnell gefunden. Das Wunschobjekt wurde direkt ausfindig gemacht. Vor mir steht ein junges Pärchen und berät über den Kauf der Preppi. Da sich gerade keine Verkäuferin in der Nähe befindet, plappere ich dazwischen: „Meine Meinung, natürlich wird man auch ohne eine solche Maschine satt. Aber es erleichtert den Alltag ungemein! Außerdem entdeckt man völlig neue Interessenbereiche in der Küche. Ich habe beispielsweise damit erstmals Marmelade eingekocht.“

Ohne ein Wort des Dankes verlassen die Beiden den Laden. Sie kaufen die Prep&Cook nicht. Ich muss wohl Lepra oder sonst eine ansteckende Krankheit haben. Unbeirrt nehme ich den Dampfgaraufsatz. Ein kleiner Begeisterungssturm ereilt mich an der Kasse. Ein neues Kochbuch für die Preppi im Angebot. Ich bin so ein Werbeopfer! Die Verkäuferin mustert mich und stellt für sich folgendes fest: Der Typ sieht eher aus als würde er die Marmeladengläser in der Mitte öffnen, aber befüllen? Dabei mustert sie die Totenkopfringe und den Edelstahlschmuck an mir. Dass Blanca Ihre EC-Karte zum Bezahlen zückt, bringt Ihre Welt völlig zum Einsturz. 

Sind Sie sicher?

Der Gipfel der Diskriminierung widerfährt mir jedoch zuhause in Nürnberg. Für das ein Rezept (Die Philly-Cheese-Steaks) muss ich an den Fleischertresen. Mein Bedarf ist zu speziell für abgepackte Ware. Ich brauche 400g dünn aufgeschnittenes Entrecôte. Fragend schaut mich die Dame hinter dem Tresen an. Erwartet sie jetzt eine Angabe in Millimetern?

„Dünn aufgeschnitten wie Aufschnitt!“, füge ich an. Immer noch fragende Stille. Es scheint ein schwieriges Anliegen zu sein. Ich wiederhole alles von vorn: „Junge Frau, ich brauch 400g Entrcôte, hauchdünn aufgeschnitten, etwa so wie Baconstreifen!“ Ihre Antwort macht mich so fassungslos: „Sind Sie sicher, dass Ihre Frau das so haben möchte?“ – Innerlich möchte ich ausrasten! Mir liegt folgendes direkt auf der Zunge: „Ey Silberlöckchen, ich weiß schon was ich will. Jetzt schneide da die 400g vom Wiederkäuer ab und schieb es mir über die Theke.“ Aber ich bin gut erzogen und erwiedere: „So hat es mir meine Frau erklärt. Ich weiß auch nicht was sie damit will. Das wird sicherlich wieder so ein neumodischer Scheiß. Ich hätte es auch als ganzes Stück auf den Grill gelegt.“ – Wir beide lachen und ich kriege kurz danach meine Bestellung.

Man kann festhalten, ich habe nichts für die Gleichberechtigung der Hausmänner getan! Ich feiges Stück… Aber wir haben 2019. Es nervt mich wirklich…