Lang ist mein letzter Blogeintrag her. Viel zu lang. Drei Wochen ohne ein Lebenszeichen auf Facebook, Instagram, YouTube oder meiner Internetseite. Warum? Ich hatte schlichtweg keine Zeit! Damit Blanca und ich unseren Jahresurlaub auch wirklich genießen können, musste auf vielen Ebenen vorgearbeitet werden. Das wurde so viel, dass ich Euch etwas vernachlässigt habe. Dafür an dieser Stelle ein großes Sorry. 

Wer jetzt befürchtet, dass ich mich mit diesem Beitrag nun abermals in eine längere Pause verabschiede, den kann ich beruhigen: Das wird nicht passieren! Aber eigentlich war es so geplant. Heute sollte unsere Reise an die Westküste Spaniens starten. Hätte, wäre, wenn, eigentlich… Denn Blancas Arbeitgeber hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mitten im Urlaub muss sie nun zu einer zweitägigen Schulung. Anstatt Galizien nun also doch Mittelfranken. 

Es ist Sonntags früh um 6:30 Uhr und ich sitze mit einem Kaffe auf dem Balkon und schreibe diese Zeilen. Wach bin ich schon seit kurz nach 4 Uhr. Bereits nach 24 Stunden ist mein gesamter Biorhythmus aus den Fugen geraten. Kaum gibt es keinen gesellschaftlichen Zwang morgens aufzustehen, führe ich ein Lotterleben. Urlaub halt. Während ich das hier schreibe, höre ich das selbstgefällige Schnarchen eines Nachbarn.

Nicht nur, dass die Arbeit bis zum Stichtag unbedingt fertig werden musste, ich hatte noch ein ganz spezielles Projekt:

Mein letzter Kurzurlaub im Juni wurde dank meiner Nachbarn zum Fiasko (ich berichtete). Es ist kein Wunder, dass man Nachbarschaft nicht ohne Arsch schreiben kann. Damit ich diesmal ein Mindestmaß an Ruhe bekomme, muss ich etwas gegen den Lärmpegel in unserem Krachmacherhaus unternehmen. Andere Nachbarn haben in den letzten Wochen dabei auf die amateurhaften Dienstleistungen der Polizei vertraut. Wenig überraschend, dass es keine nennenswerten Ruhestörungen gibt, wenn sich der Besuch mit Blaulicht ankündigt. 

Dabei sind in den letzen Wochen viele neue Kontrahenten in den Wettbewerb um die penetranteste Lärmquelle eingestiegen. Anfang Juli ist die 22-jährige Mieterin über uns in einen dauerhaften Partymodus verfallen. Stundenlanges Gekreische und Musik bildeten dabei den Grundpegel. Wasserbomben-Schlachten, Basketballspiele und rhythmisches Getrommel auf dem Balkon-Geländer die Speerspitzen. Dies konnte „Mr. Hip-Hop“ von nebenan nicht auf sich sitzenlassen und antwortete mit Bass-Kanonen, dass bei uns die Gläser im Gewürzregal vibrierten. Seine Wecker-Stereoanlagen-Kombi feuert inzwischen auch gerne mal ein bis zwei Stunden dauerhaft. Ihn stört es nicht, denn er ist gar nicht zuhause! An den Wochenenden sind gerne zwei bis zehn Partys gleichzeitig und das kleine Nachbars-Baby aus dem zweiten Stock heult deswegen die ganze Nacht. Wer will es ihm verdenken?

Wenn direkte Gesprächsangebote und die Polizei keinerlei Besserung herbeiführen, dann regeln Blanca und ich das halt anderweitig. Bevor sich Blanca allerdings am Messerblock bedient, einigen wir uns auf die deutscheste aller Lösungsansätze: Wer schreibt, der bleibt! Wir beschweren uns beim Vermieter, führen ein Lärmprotokoll und dokumentieren den Wahnsinn um uns herum mit Videoschnibseln.

Ich bin aber auch ein Idiot

Um die Namen auch richtig zu dokumentieren, richte ich einen Pendelverkehr zwischen Wohnung und den verschieden Briefkästen ein. Inzwischen kenne ich die Störenfriede alle namentlich, allerdings keinerlei Gesichter dazu. Dabei kam es zu einem folgenschweren Fehler meinerseits. Als sich Blanca eines Abends schon längst ins Bett verabschiedet hatte, musste ich die exotische Schreibweise eines Namens zu überprüfen. Gekonnt griff ich zum Schlüssel und bemerkte erst beim Zufallen der Eingangstür, dass es nicht der Zweitschlüssel unserer Wohnung war, sondern der zur schwiegerelterlichen Wohnung in der Nähe von Kiel.

Dank der angrenzenden Baustelle eines noch nicht fertiggestellten Gebäudeteils ist ein Zugang zur Tiefgarage, dem Treppenhaus und den Laubengängen kein Problem. Mein Lösungsansatz: An der Wohnungstür klingeln und Blanca um Einlass bitten, scheitert jedoch kläglich. Wenn Blanca pennt, dann weckt sie kein Geräusch dieser Erde. Ich könnte neben dem Bett eine Flak mit Flugabwehrgeschossen abfeuern, nützen würde es nichts. Aber wehe man macht kurz Licht, selbst ein leicht trübes Handydisplay unterbricht den Schlaf in Sekunden. Ihr Smartphone auf dem Nachtisch ist deswegen natürlich im Nachtmodus und blockiert konsequent meine Anrufversuche. Ich sehe mich die nächsten sechs Stunden durch die Nacht irren.

Der Fassadenkletterer

Glücklicherweise habe ich die Balkontür offengelassen. Ein Zugang wäre also möglich. Gut das wir nur zweieinhalb Meter über dem Innenhof-Level wohnen. Leider sind die Leitern auf der Baustelle allesamt angeschlossen. Neben der nächstgelegenen Hausecke ist aber ein Aufgang mit gemauertem Geländer. Wenn ich es schaffen würde auf diesen zu gelangen, mich um die Hausecke rumzuhängen gelange ich auf einen kleinen Vorsprung zu unserem Balkon. Von dort müsste ich nur noch Katzennetz und Geländer überwinden. Das Ganze müsste ich ohne Absturz schaffen, ob mein fehlerhafter Gleichgewichtssinn die Aktion unterstützt, kann ich nur beim Selbstversuch rausfinden. 

Mein erster Versuch scheitert. Ich schaffe es nicht mich aufs Geländer zu ziehen und dort den richtigen Absprungpunkt mit sicherem Halt zu kombinieren. Auf der Baustelle borge ich mir Teile der Kunststoff-Isolierung und baue mir einen kleinen Aufgang. Ich möchte allerdings vermeiden, dass meine Nachbarschaft etwas von der Aktion mitbekommt. Einerseits trage ich nur meinen Jogger und sehe etwas abgerissen aus. Andererseits will ich vermeiden, dass mich jemand an die Polizei verpfeift. Katzenartig bewege ich mich im Schutz der Nacht.

Als ich es endlich schaffe meinen Astralkörper auf das Geländer zu hieven, schwitze ich schon aus allen Poren. Leider bemerke ich erst jetzt die dünnen Schräubchen mit denen das Regen-Fallrohr an der Außenwand befestigt ist. Es sind nur zwei kleine Haltepunkte die mich vor einem Absturz retten. Wenn ich Glück habe, lande ich weich in der Rindenmulch. Bei mir werden es aber wahrscheinlich die aufgeschütteten Stein-Brocken unter mir.

Da hänge ich nun an der Hauswand. Ein Fuß steht immer noch auf dem Geländer, meine schwitzigen Hände umklammern das Fallrohr. Derweil sucht mein rechter Fuß den Vorsprung des Balkons. An einem Punkt hänge ich so weit drüber dass ich das Geländer des Balkons erreichen kann. Mein einer Hausschlappen baumelt träge am Fuß als ich mich zum Balkon herüberziehe. 

So entstehen also die ganzen lustigen YouTube-Videos. Katzennetz und Geländer stellen kein wirkliches Hindernis mehr dar. Eine unserer Katzen schaut mich an, als ob ich Lack gesoffen hätte. Meine Beine zittern ein wenig als ich die Wohnung wieder betrete. Höhe ist nämlich nicht mein Element. Mit der Aktion war ich knapp dran am Darwin-Award 2019. Die Schlagzeile in der Regionalzeitung: Dicker Mann stirbt beim Versuch die Wohnung zu betreten!

Blanca schläft friedlich – Ich habe überlebt – Die Katzen in Aufruhr! 

Alles ist also wie immer. Ich sitze immer noch auf dem Balkon und schreibe diesen Post für den Blog. Das Schnarchen des Nachbarn hat gerade aufgehört. Dafür donnert es aus seiner Porzellan-Abteilung. Ich glaube, er muss morgen mal dringend zum Arzt. 

Ich überlege ernsthaft mich mit der Nummer beim Zirkus „Flic-Flak“ zu bewerben. Besinne mich jetzt aber auf meiner Kernkompetenz. Ab Morgen wird wieder gekocht. Natürlich mit der Kombination aus Prep&Cook und Cook4Me. Damit ich Euch ab jetzt in gewohnter Weise wieder mit Rezepten versorgen kann. Endlich habe ich Urlaub…

Übrigens: Nach der Beschwerde beim Vermieter, ist es wirklich ruhiger geworden. Zahlreiche Nachbarn haben sich bereits beschwert und verschiedene Parteien wurden Dank unseres Lärmprotokolls abgemahnt. Wenigstens hat sich der Einsatz gelohnt.